Geringverdienergrenze für Auszubildende – Was gibt es zu beachten?

Wenn du im August mit deiner Ausbildung begonnen hast, bist du nun schon fast zwei Monate dabei – und vieles groovt sich mit Sicherheit immer mehr ein, oder? Trotzdem gibt es, gerade zu Beginn der Ausbildung, Themen, die selbst für langjährige Berufstätige nicht immer einfach nachzuvollziehen sind. Ein gutes Beispiel für so ein Thema ist die Lohnabrechnung.

Besonders das mit den Sozialabgaben hast du noch nicht ganz verstanden? Da bist du definitiv nicht alleine! Du erfährst deshalb in diesem Beitrag, was du über Entgeltgrenzen, Beitragslastverteilung und die magische Grenze von 325 Euro wissen musst.

Azubis haben Welpenschutz

Zunächst einmal solltest du wissen: Azubis haben, was das Finanzielle betrifft, Welpenschutz. Wenn du also bei deiner Lohnabrechnung nicht sofort alles verstehst oder bestimmte Abzüge nicht nachvollziehen kannst, kannst du immer deinen Ausbildungsleiter oder Vorgesetzten darauf ansprechen. Du hast dich vorher vermutlich noch nie mit Abrechnungen beschäftigt und da ist es absolut legitim, an den Stellen, an denen du vielleicht nur Bahnhof verstehst, nachzufragen.

Die magische Entgeltgrenze von 325 Euro

Wie du sicherlich schon bemerkt hast, sind auf deiner Lohnabrechnung die Abgaben an deine Sozialversicherung aufgeführt. Für diese Abgaben gibt es eine Entgeltgrenze bzw. Geringverdienergrenze. Diese Grenze entscheidet darüber, wie sich deine Abgaben für die Versicherung zwischen dir und deinem Unternehmen aufteilen, denn natürlich kannst und sollst du von deiner kleinen Ausbildungsvergütung nicht deine kompletten Sozialversicherungen bezahlen.

Die Geringverdienergrenze ist vor allem für die Azubis interessant, deren monatliches Entgelt bei maximal 325 Euro liegt. Wenn du also maximal diesen Betrag oder weniger verdienst, musst du keine Sozialversicherungsbeiträge mehr zahlen, denn diese Aufgabe übernimmt dein Ausbildungsbetrieb für dich. So entsteht keine soziale Ungerechtigkeit, denn bei diesem niedrigen Arbeitsentgelt auch noch das Zahlen der Sozialversicherung zu übernehmen – das wäre ganz schön unfair.

Lass uns zum besseren Verständnis noch ein kleines Beispiel machen: Du bist Azubi,  18 Jahre alt und verdienst 310 Euro. Damit liegt dein Bruttoverdienst unter der Geringverdienergrenze von 325 Euro und dein Arbeitgeber muss alle Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Auch die 0,9% für die Krankenversicherung werden dir nicht mehr von dem ohnehin wenigen Geld abgezogen.

Die magische Geringverdienergrenze - Prozubi

Einmalig mehr als 325 Euro?

Wenn du so wie in dem eben genannten Beispiel knapp an der Grenze bist, kann es mit Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, oder anderen einmaligen Zusatzzahlungen, schnell einmal passieren, dass du über die magische Grenze von 325 Euro kommst. Musst du dich dann an den Abgaben für die Sozialversicherung beteiligen?

Ja, musst du. Allerdings nur in einem sehr geringen Maße, denn bis zu dem Betrag der Geringverdienergrenze übernimmt dein Arbeitgeber weiterhin seinen Anteil. Anhand des Betrages, der über den 325 Euro liegt, wird dein Anteil berechnet, den du an die Sozialversicherung abtreten musst.

Greifen wir noch einmal auf das Beispiel zurück: Du verdienst normalerweise 310 Euro. Nun bekommst du aber, weil bald Weihnachten ist, noch einmal 150 Euro Weihnachtsgeld dazu, zusammen also 460 Euro. Damit übersteigst du die Grenze um genau 135 Euro.

Dein Anteil an der Sozialversicherung beträgt also nicht 7,9% von den ganzen 460 Euro, sondern nur 7,9% von 135 Euro. Den Rest übernimmt nämlich wie gewohnt dein Arbeitgeber. Deine Abgaben würden in dem Fall also 10,66 Euro betragen, die du von den 460 Euro abgezogen bekommst. Dein Bruttogehalt ist dann: 449,34 Euro.

Immer mehr als 325 Euro?

Du verdienst grundsätzlich mehr als 325 Euro brutto monatlich? Wenn du dauerhaft über die Grenze der 325 Euro kommst, musst du dir mit deinem Arbeitgeber die Kosten für die Sozialversicherung teilen. Die Beitragslastverteilung gilt dann also nicht mehr. Stattdessen musst du über 20% Sozialabgaben zahlen – was sich natürlich auf das oft eh schon niedrigere Ausbildungsgehalt nicht sonderlich positiv auswirkt.

Wenn du mehr als 325 Euro verdienst, aber weniger als 410 Euro, solltest du mit deinem Ausbildungsbetrieb sprechen und schauen, ob sich stattdessen eine Vergütung von maximal 325 Euro vereinbaren lässt. Andernfalls hätten du und dein Geldbeutel ein Verlustgeschäft gemacht, da dein tatsächlich ausbezahltes Gehalt aufgrund der Sozialabgaben noch niedriger als 325 Euro ausfallen würde.