Die mündliche Prüfung: Kaufmann/ -frau für Versicherungen und Finanzen

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Was erwartet Dich in der mündlichen Prüfung?

Nach Deiner schriftlichen Prüfung erwartet Dich jetzt noch die mündliche Prüfung! Danach kannst Du Dich endlich Kaufmann/ -frau für Versicherungen und Finanzen nennen. Die IHK hat für verschiedene Berufe unterschiedliche Formate für die mündliche Prüfung ausgewählt. Für Deinen Beruf gibt es drei relevante Teile: Den Report, das Kundenberatungsgespräch und das Fallbezogene Fachgespräch. 

Was ist ein Report?

Als Grundlage für das spätere Fachgespräch und die Gesprächssimulation musst Du dem Prüfungsausschuss einen Report vorlegen. Im Report geht es um die Durchführung einer betrieblichen Fachaufgabe im Betrieb. Du erstellst für jede der beiden gewählten Wahlqualifikationseinheiten einen höchstens dreiseitigen Report über die Durchführung der betrieblichen Fachaufgabe. Die Reporte sollen jeweils eine Beschreibung der Aufgabenstellung, der Planungs- und der Durchführungsphase sowie eine Auswertung beinhalten. Du musst sie dem Prüfungsausschuss vor der Durchführung der Prüfung im Prüfungsbereich „Fallbezogenes Fachgespräch“ zukommen lassen. Aber Entwarnung: Der Report wird nicht bewertet!

Was ist ein Kundenberatungsgespräch?

Das Beratungsgespräch ist im Grunde ein mündliches Rollenspiel. Du agierst dabei in deiner zukünftigen beruflichen Funktion. Der Prüfer übernimmt in der Regel die Rolle des anderen Gesprächspartners. Der Gesprächspartner kann zum Beispiel ein Kunde, ein Mitarbeiter oder ein Gast sein. Du bekommst vorher Unterlagen (z. B. Situationsbeschreibung), anhand derer du dich vorbereiten kannst. Die Branchenzugehörigkeit Deines Ausbildungsbetriebs wird bei der Gesprächssimulation in der Regel auch berücksichtigt. Dir werden übrigens zwei Aufgaben zur Wahl gestellt. In unserem Video zur Gesprächssimulation erhältst Du auch einen kurzen Überblick. Mehr Informationen zur mündlichen Abschlussprüfung für Deinen Beruf findest Du unter dem Video. 

Wie ist der Ablauf eines fallbezogenen Fachgesprächs?

Du wirst zu Deiner mündlichen Abschlussprüfung, also zum Fallbezogenen Fachgespräch, schriftlich vom zuständigen Prüfungsausschuss eingeladen. Dies erfolgt in der Regel sechs bis acht Wochen nach der schriftlichen Prüfung. In Deiner Einladung teilt Dir der Ausschuss das Datum der Prüfung, die Uhrzeit, den Ort und die Punkte aus der schriftlichen Abschlussprüfung mit.

Du hast eine Vorbereitungszeit von 15 Minuten. Das Fallbezogene Fachgespräch dauert dann maximal 15 Minuten. In Deiner Vorbereitung kannst Du dir stichpunktartig Notizen machen und solltest dabei beachten, dass Du deine Ergebnisse mündlich präsentierst. Hierbei solltest Du auch nicht vergessen, dass es ein FALLbezogenes Fachgespräch ist. Deine Ergebnisse sollten also insbesondere zu dem gestellten Fall passen und Du solltest hier beispielsweise (!) eine kundenorientierte Lösung oder rechtliche Zusammenhänge, die den Fall betreffen, beachten. Außerdem kann es auch sein, dass Du Deinen Report oder Deine Vorgehensweise reflektieren sollst.

Nach Deiner mündlichen Prüfung berät sich der Prüfungsausschuss über die erbrachte Leistung und teilt Dir dann mit, ob Du bestanden hast. Übrigens erhältst Du auch einen schriftlichen Bescheid über das Bestehen (oder Nichtbestehen) Deiner gesamten Abschlussprüfung. Diese legst Du deinem Ausbildungsbetrieb vor. Dann geht das alles noch zur Industrie- und Handelskammer. Die IHK prüft das Ergebnis des Prüfungsausschusses. Dann ist es soweit: Du bekommst Dein Zeugnis! Dann bleibt auch uns nichts weiter übrig, als Dir zur bestandenen Prüfung zu gratulieren!

Welche Gebiete können drankommen?

Neben dem, was Deine Lehrer in der Berufsschule an ausbildungsrelevanten Inhalten angeboten haben, sind insbesondere die Inhalte der Ausbildungsordnung relevant für Deine mündliche Prüfung. Wir haben mal nachgeschaut, welche Einsatzgebiete für Dich wichtig sind:

Fachrichtung Versicherungen:

Prüfungsbereich Kundenberatungsgespräch (Gesprächssimulation):

Grundlage ist eine von zwei zur Wahl gestellten Aufgaben. Du sollst zeigen, dass Du Gespräche mit Kunden situationsbezogen vorbereiten, verkaufsorientiert führen und auf Kundenargumente angemessen reagieren kannst. Bei der Aufgabenstellung sind die produktbezogenen betrieblichen Ausbildungsschwerpunkte grundlegend. Das Gespräch dauert höchstens 20 Minuten.

Prüfungsbereich Fallbezogenes Fachgespräch:

Mögliche Wahlqualifikationseinheiten:

  1. Kundengewinnung und Bestandsausbau: Gewinnung von Neukunden, Ausbau bestehender Kundenbeziehungen
  2. Marketing
  3. Steuerung und Verkaufsförderung in der Vertriebseinheit: Steuerung in der Vertriebseinheit, Verkaufsförderung in der Vertriebseinheit
  4. Risikomanagement: Risikoanalyse, Antragsannahme
  5. Vertrieb von Produkten der betrieblichen Altersvorsorge: Kundenberatung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Angebot und Antrag
  6. Vertrieb von Versicherungsprodukten für Gewerbekunden: Kundenberatung, Angebot und Antrag
  7. Optimierung von Kundenbeziehungen und Versicherungsbeständen: Optimierung von Kundenbeziehungen, Optimierung von Versicherungsbeständen
  8. Schadenservice und Leistungsmanagement

Fachrichtung Finanzberatung:

Prüfungsbereich Kundenberatungsgespräch (Gesprächssimulation):

Grundlage ist eine von zwei zur Wahl gestellten Aufgaben. Du sollst zeigen, dass Du Gespräche mit Kunden situationsbezogen vorbereiten, verkaufsorientiert führen und auf Kundenargumente angemessen reagieren kannst. Bei der Aufgabenstellung sind die produktbezogenen betrieblichen Ausbildungsschwerpunkte grundlegend. Das Gespräch dauert höchstens 20 Minuten.

Prüfungsbereich Fallbezogenes Fachgespräch:

Mögliche Wahlqualifikationseinheiten:

  1. Finanzierungsberatung von gewerblichen Kunden
  2. Optimierung von Finanzproduktbeständen der Kunden
  3. Private Immobilienfinanzierung und Versicherungen
  4. Vertrieb von Produkten der betrieblichen Altersvorsorge: Kundenberatung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Angebot und Antrag.

Wie sieht eine mögliche Aufgabe aus?

Klar, jetzt möchtest Du gerne wissen, wie eine Aufgabe

Eine mögliche (!) Aufgabenstellung könnte wie folgt aussehen:

Situation: Sie sind in einer Bankfiliale einer Kleinstadt tätig. Seit nunmehr 6 Monaten sind Sie Berater für Altersvorsorge und auch weitere Versicherungsprodukte fallen unter Ihre Zuständigkeit. Die Filialleitung informiert Sie darüber, dass Sie nach der Mittagspause ein Beratungsgespräch mit einer verwitweten Dame haben.

Folgende Fragen formulierte sie schon vorab am Telefon:

  1. Ist die staatliche Rente sicher?
  2. Was ist eine private Zusatz-Pflegeversicherung?

Außerdem möchte die Dame ihrem Enkel einen Sparvertrag einrichten und interessiert sich für ein Tagesgeldkonto. Sie möchte aber auch über weitere Anlageformen informiert werden.

Sie haben noch 15 Minuten zur Vorbereitung bis zum datierten Beratungsgespräch.

Bereiten Sie sich auf das Beratungsgespräch vor. Begründen Sie jede Antwort.