Prüfungsthemen

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Offenmarktgeschäfte

Hier kannst Du Dir den vollen Text des Videos “Offenmarktgeschäfte” durchlesen.

Diese Lektion ist in dem Modul “Einflussnahme des Staates auf das Wirtschaftsleben” enthalten.

Mit der Lektion “Offenmarktgeschäfte” kannst Du Dich optimal auf Deine IHK-Prüfung vorbereiten. Für Deine Prüfungsvorbereitungstehen Dir prüfungsnahe Fragen in spannenden Quizzes zur Verfügung. Außerdem bieten wir Dir zahlreiches Zusatzmaterial für Deine IHK-Prüfung.

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Wir alle leben in einem großen und komplexen Wirtschaftssystem. Viele Länder in Europa zahlen mit dem Euro und bilden zusammen die Eurozone. Für die Geldpolitik in der Eurozone ist die Europäische Zentralbank zuständig. Zur Europäischen Zentralbank kannst du auch einfach E-Z-B sagen. So! Jetzt kommen wir erst zum eigentlichen Thema: In diesem Video erzähle ich dir etwas über die geldpolitischen Instrumente der E-Z-B.

Es gibt drei geldpolitische Instrumente. Lass’ dich von den komplizierten Namen nicht abschrecken. Es gibt die “Offenmarktgeschäfte”, die “ständigen Fazilitäten” und die “Mindestreservepolitik”. In diesem Video lassen wir die letzten beiden mal weg und nehmen die Offenmarktgeschäfte unter die Lupe. Die ständigen Fazilitäten und die Mindestreservepolitik kannst du dir in anderen Prozubi-Videos anschauen.

Durch Offenmarktgeschäfte kauft und verkauft die Europäische Zentralbank Wertpapiere. Um das einfach zu verdeutlichen, schauen wir uns hierbei die zwei Seiten dieser Geschäfte an. Die E-Z-B und die Geschäftsbanken.

Wie du eben schon gehört hast, steuert die EZB die Geldpolitik in der Eurozone. Das heißt, dass sie die Verantwortung dafür hat, dass die Wirtschaft stabil läuft. Ist die Wirtschaft mal nicht so richtig in Schwung, handelt die E-Z-B. In dieser Situation weitet die E-Z-B die Geldmenge aus, um die Wirtschaft zu beleben. Sie pumpt Geld in den Wirtschaftskreislauf. Aber wie wandert das Geld eigentlich von der Zentralbank bis zu den Unternehmen oder zu uns? Die Zentralbank und die Geschäftsbanken handeln mit Wertpapieren und somit auch mit Geld. Die E-Z-B kauft in dieser Situation Wertpapiere von den Geschäftsbanken. Man sagt auch: Sie erhöht das Volumen der Wertpapierkäufe. Das heißt: Die Wertpapiere wandern von den Geschäftsbanken zur Zentralbank und im Gegenzug dazu wandert Geld von der Zentralbank zu den Geschäftsbanken. Die Geschäftsbanken geben das Geld dann durch Kredite weiter an die Unternehmen oder zu unseren Hausbanken, wo auch du ein Konto hast. Nun weißt du schon, dass die E-Z-B Wertpapiere kauft und so mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf bringt und die Wirtschaft belebt. Man spricht hierbei auch von Geldschöpfung.

Natürlich gibt’s auch das Gegenteil. Droht Inflation, greift die Zentralbank auch ein. Inflation bedeutet übrigens – dass das Preisniveau ansteigt – also alles immer teurer wird und das Geld immer weniger Wert hat. Um Geld zu vernichten, Verkauft die E-Z-B Wertpapiere. Die Wertpapiere wandern also zu den Geschäftspartnern und das Geld zur Zentralbank. So nimmt sie Geld aus dem Wirtschaftskreislauf heraus. Also nochmal: Muss die Wirtschaft angekurbelt werden, dann betreibt die Zentralbank Geldschöpfung, bei Inflationsgefahr vernichtet sie Geld durch den Verkauf von Wertpapieren.

Nun erzähl’ ich dir was zur Durchführung der Offenmarktgeschäfte. Im Mittelpunkt der Offenmarktgeschäfte stehen die sogenannten Hauptrefinanzierungsgeschäfte, bei denen Geschäftsbanken Wertpapiere in Zentralbankgeld umtauschen. Die E-Z-B kauft diese Wertpapiere mit der Absicht, dass die Geschäftsbanken ihr die Wertpapiere nach einer Woche wieder abkaufen. Weil die Wertpapiere für eine Woche in Pension gegeben werden, sagen manche Leute hierzu auch Pensionsgeschäfte. Der Zinssatz dieser Geschäfte heißt Hauptrefinanzierungssatz und ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank. Hebt die E-Z-B den Leitzins an, wird’s auch für die Geschäftsbanken teurer, sich Geld zu leihen. Um das bezahlen zu können, heben die Geschäftsbanken wiederum ihre Zinsen für Kredite an. Das bedeutet also: Steigt der Leitzins, dann steigen auch die Zinsen der Geschäftsbanken. Das läuft immer so weiter bis zu deiner und meiner Hausbank. Ich möchte dir nun aber noch erzählen, wie die E-Z-B diese Hauptrefinanzierungsgeschäfte durchführt.

Ich mach’ das mal sehr vereinfacht. Die Offenmarktgeschäfte gehen von der E-Z-B aus. Mit dem sogenannten Standardtenderverfahren bietet die E-Z-B den Geschäftsbanken einmal pro Woche Geld an. Das Standardtenderverfahren ist ein standardisiertes Ausschreibungs- und Zuteilungsverfahren für Offenmarktgeschäfte. Die Laufzeit dieser Kredite beträgt eine Woche. Aber Achtung:  Vor 2004 lag die Laufzeit bei zwei Wochen! Also nicht verwechseln! Jetzt weißt du schon, dass Standardtender Ausschreibungs- und Zuteilungsverfahren sind. Standardtender teilt die E-Z-B in Mengen oder Zinstender auf. Beim Mengentender legt die E-Z-B den Zins und den Geldbetrag fest – den sie verleihen möchte und die Banken können Geldgebote abgeben. Beim Zinstender hingegen gibt die E-Z-B einen Mindestzins vor – zu dem sie Offenmarktgeschäfte durchführt. Daraufhin geben die Banken Zinsgebote ab. Die Zuteilung der Gelder erfolgt dann nach der Höhe des gebotenen Zinses. Nochmal kurz: Beim Standardtenderverfahren bietet die E-Z-B den Geschäftsbanken einmal pro Woche Geld an. Über diese Ausschreibungen verleiht die Europäische Zentralbank Geld an die Geschäftsbanken. Standardtender führt die E-Z-B als Mengen- oder Zinstender durch.

Neben den Hauptrefinanzierungsgeschäften gibt´s noch weitere Offenmarktgeschäfte. Zum Beispiel die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte – die eine Laufzeit von drei Monaten haben – die Feinsteuerungsoperationen und sonstige strukturelle Operationen. Wenn du Lust hast, kannst du selbst mal recherchieren, wozu diese Offenmarktgeschäfte da sind.

Fassen wir das ganze noch mal zusammen: Für die Europäische Zentralbank sind die wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäfte das wichtigste geldpolitische Instrument. Hiermit kontrolliert die E-Z-B die Liquidität am Geldmarkt und die Zinssätze. Durch ihr Handeln sendet die Euopäische Zentralbank Signale zum geldpolitischen Kurs.